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ein ganzes Jahr bin ich nun schon auf den Philippinen. Zeit für einen Bericht über den Stand der Dinge. Ich spüre noch immer kein Heimweh, das ist seltsam, weil ich Heimweh aus früheren Zeiten durchaus kenne. Vielleicht habe ich mich inzwischen eingelebt und Deutschland ist mir ein Stück weit fremd geworden. Der Abstand zu meinem Land, immerhin 12.000 km, tut mir gut und er bewirkt auch mehr, als wenn ich auf Mallorca leben würde. Asiaten haben eine ganz andere Mentalität, und auch Spanier, Italiener oder Griechen sind immer noch Europäer.
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Wenn ich im TV die Aktionen der Klima-Kleber sehe, dann denke ich: Ja, das ist typisch Europa! Diese Verbissenheit, diese Selbstüberschätzung, diese ständige Suche nach Problemen und der sture Glaube an eine perfekte Welt. Hinzu kommt die panische Angst vor Veränderungen. Ich will nicht unfair sein, es gibt auch gute Seiten, aber aus der Ferne sieht man den täglichen Irrsinn deutlicher, als wenn man dort leben würde.
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Ist auf den Philippinen alles besser? Nein, ganz sicher nicht. Man sieht sehr viel Armut und Not. Schlimm ist auch der Müll überall und der Umgang mit Müll. Auch Batterien wirft man hier in den Hausmüll. Gestern lief vor mir ein Hund über die Straße, der nur drei Beine hatte. Heruntergekommene Tiere, vor allem Hunde und Katzen, sieht man überall. Hier muss man lernen wegzuschauen, so seltsam sich das auch anhört. Krankheit, Not und Tod sind hier nicht so unsichtbar wie in Europa, und Buddhas Ausspruch, dass das Leben Leiden ist, ist überall präsent. Das betrifft Tiere und Menschen gleichermaßen, und die Möglichkeiten, daran etwas zu ändern, sind sehr gering. Ein Deutscher hat hier neulich einen kranken Straßenhund zum Tierarzt gebracht und er wollte auch für die Behandlung bezahlen. Der Arzt hat eine Behandlung abgelehnt und ihm gesagt, er soll den Hund wieder dorthin bringen, wo er ihn herhat, der würde in ein paar Tagen sowieso sterben. Das war nicht böse gemeint, es ist einfach die Realität.
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Dann aber gibt es auch etwas Besonderes hier auf den Philippinen, das ist der Optimismus der Leute. Überall wird dir mit einem Lächeln begegnet. Auch die ganz Armen sind freundlich und zeigen keine Spur von Resignation. Ich bin letzte Woche mit meinem Fotoapparat durch ein Armenviertel gegangen und nach und nach hat sich eine Traube von 15 bis 20 Kindern gebildet, die mir gefolgt sind. Natürlich sollte ich jede Menge Fotos von ihnen machen und sie machten allerlei Faxen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Für dieses „Begleitpersonal“ war ich die Sensation des Tages. In die Armenviertel verirren sich normalerweise keine „weißen Riesen“, wie ich einer bin. Wenn meine „Begleitkinder“ nicht so zahlreich sind, dann gebe ich ihnen auch mal ein Eis aus, das können sich die Eltern normalerweise nicht leisten.
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Mein Alltagsleben ist relativ unspektakulär: Aufstehen, den Jungen (8) zur Schule bringen, frühstücken mit Jasmin und dann ein wenig Pressestudium auf meinem Tablet. Danach meist Computerarbeit verschiedenster Art und am Nachmittag gehe ich hin und wieder mit der Kamera raus und fotografiere in der näheren oder manchmal auch ferneren Umgebung. Ich habe mir für meine Aktionen einen flotten Yamaha Motorroller angeschafft, mit dem ich viel Freude habe. Allerdings ist der Verkehr hier nicht ohne: chaotisch, rabiat, regellos und laut. Üble Unfälle habe ich schon einige gesehen. Mit einem Auto steht man hier ständig im Stau, aber mit dem Roller wieselt man sich so durch. Mal links vorbei, mal rechts vorbei oder in der Mitte durch. Wo so viel Platz ist, dass man sich nicht die Spiegel abbricht, da fährt man durch.
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Im Moment ist hier Sommer auf den Philippinen. Das sind die Monate April, Mai und Juni, dann folgt eine (moderate) Regenperiode. Auch in der Regenzeit gibt es schöne und heiße Tage und der Regen fällt manchmal auch nur ein paar Stunden am Tag – dann aber heftig. Kalt oder auch nur kühl, wird es hier nie. Den berühmten warmen Pullover, den man in Deutschland auch gerne für einen Sommerurlaub einpackt, den kann man getrost zu Hause lassen. Zum Strandbaden fahren wir fast nie, obwohl es nur 5-6 km Entfernung zum Strand sind. Es gibt hier auf Mactan Island nur wenige öffentliche Badestrände und die sind kommerziell so überfrachtet, dass man einfach die Lust verliert, dorthin zu gehen. Parken kostet Geld, Eintritt natürlich, Strandpavillon mit Dach auch, Duschen kostet extra Geld und dann kommen noch Getränke und Snacks dazu. Gestern war ich einmal kurz da und habe gesehen, dass sie die Preise nochmal deutlich erhöht haben. Die Quittung war aber auch zu sehen: auf dem Parkplatz stand weder ein Auto noch ein anderes Fahrzeug. Nix los - Abstimmung mit den Füßen!
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Und wie ist es mit Buddhismus und Meditation? Das Einleben hier hat sich in den Vordergrund geschoben in den letzten Monaten, aber ich meditiere immer noch regelmäßig, daran hat sich nichts geändert. Letzte Woche war ich in einem buddhistischen Tempel hier in Cebu, dem "Buddha Light Temple". Von außen abweisend, von einer hohen Mauer umgeben und durch ein massives Metalltor verschlossen. Man muss klingeln, wenn man rein will, dann geht das Tor langsam auf und ein junger Mönch begrüßt einen freundlich. Er zeigte mir die ganze Anlage und ich durfte auch fotografieren (die Taoisten erlauben das in ihren Tempeln nicht). 5 Mönche leben in dem Tempel, zwei aus China und drei aus Nepal. Meditiert wird eher nicht, sie machen vor allem Zeremonien. Jeden Morgen um sechs und dann wieder nachmittags um drei.
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Viele Grüße von den Philippinen
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Neues Buch: Königreich und Gottesstaat (Detlef B. Fischer, 2023)
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In den letzten Monaten habe ich an einem Buch über die Zeit der Wiedertäufer in Münster gearbeitet. Das Studienmaterial für dieses Buch habe ich aus Deutschland mitgebracht und es war ein seltsames Vergnügen, hier auf den Philippinen am Computer zu sitzen und im Geiste durch die Straßen und Gassen meiner Heimatstadt zu streifen.
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Diese Täuferperiode vor 500 Jahren war mir in den Grundzügen bekannt: Propheten, Belagerung, Bildersturm, Hungersnot, Hinrichtung der Hauptakteure und die Käfige am Turm der Lambertikirche. Aber ich hatte kein klares Bild der Ereignisse. War es eine Terrorherrschaft oder ein früher Gottesstaat? Waren die Täufer Scharlatane oder verfolgten sie ehrbare Ziele? War alles falsch, was sie wollten und ins Werk setzten?
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Ich habe mich mit den Quellentexten beschäftigt und bin zu einem sehr differenzierten Urteil über die Täufer und ihre Herrschaft in Münster gelangt. Wer sich für historische Vorgänge in der Reformationszeit oder den Aufstieg und Niedergang von Sekten interessiert, der wird Spaß an der Lektüre des Buches haben.
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